Donnerstag, November 30, 2006

Death Ships - Seeds Of Devastation

es waren die besten partys. meist fanden sie auf einem entlegenen gehöft statt, eines das gerade noch dieses eine gelage überstehen konnte. seltener waren es beengtere verhältnisse. immer hat die mischung der anwesenden aus altbekannten und neuen gesichtern, zu denen man schnell zugang fand, gepasst. das wetter war gut, vielleicht wenige stunden, die mit lauen lüften bespickt waren. die stimmung stets herzlich und das essen fein gewählt. und dann gab es, und ohne diesen aspekt wäre die ganze chause sinnfrei, eine kapelle, die uns wegtrug, ohne zögern dem alltag entzog, die minütlich in immer neuen takten bestätigte, wozu wir die flucht auf dieses anwesen, unter diesen freien himmel, zu diesen wenigen menschen antraten. eine kapelle, die so sehr teil des ambientes wurde, dass sie sich wiederum aus ihm hervorstahl, um im eigenen licht zu glänzen und dem, das die anderen elemente auf sie zurückwarfen. brot brechen, am weinglas nippen, zuhause sein, fuß wippen. leider gelingt das nur selten. vieles muss zusammenpassen, stimmen.
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die death ships wären so eine band, die ich einladen würde, wenn ich eine solche veranstaltung organisieren müsste. dass sie in iowa leben, stellte keinen hinderungsgrund dar, die wüssten genau, wovon ich rede. schaut nur mal auf ihr cover. im heu könnte man den rausch ausschlafen, nachdem man müde den kopf in den schoß der liebsten sinken ließ.musik, die die halme des korns streichelt, sachter als der warme sommerwind es kann. musik, die in sich selbt verliebt kreist, als frohlocke sie angesichts der eigenen existenz. und genau das ist es, was ihr gelingt uns zu vermitteln: lebenslust, lust am existieren. ein billiger streifen, aber wenn er auf dauerschleife liefe, niemand nähme reißaus. den stampfenden rhythmus aufnehmen, die arme werfen, wach sein, atmen. die finger schleifen über die saiten, die stimme erhebt sich, wirft dir worte zu, du singst mit und der gleichklang kennt die geschichte einer gemeinsamen zeit.musik, die sich nicht neu erfindet, denn alles, was sie wiederspiegelt, gibt es schon so lang. ein schlagzeug ist zum draufhauen da, gitarren wollen bewegt werden und wer schnickschnack will, soll eine galerie besuchen und hier nicht das olle klavier bestaunen.
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remains to be seen: beginnt mit einer verhaltenen gitarre aus dem off, wie zur probe angeschlagen. die leutchen sammeln sich vor der bühne. zügig und bestimmt setzt der rest der truppe ein. ein schwebender song, dessen teppich sich aus dem stand in die luft erhob. löblich, dass ein wunderbarer refrain nicht bis zum letzten ausgeschlachtet wurde, er bleibt in ein insgesamt warmes gewand gebettet. ***1/2
symmetrical smiles: eine olle orgel stammelt den rhythmus, gewagt und mutig, die soften apparate des schlagzeugs werden eifrig bewegt, die angefeilte stimme keilt sich ein. ein song, der stillstand zum teufel erklärt und doch nicht wild mäandernd flieht. er bietet ohne zu überbieten. ****
little mystery: ein melodiebogen, immer wieder aufgenommen – herzeleid – bildet den roten faden, der, nach und nach von jedem einzelnen um den finger gewoben, weiter gesponnen wird. erfrischend: die tatsächlich trägen momente, das innehalten und neuerliche einsetzen des bestimmenden themas. ****1/2
great american: magerkost. zur gesunderhaltung. nahrhaft. akkorde auf der gitarre, eine stimme, die etwas weiß. „you can ride with me…“ im duett mit einer dame. ****
grand deceiver of information: aufgefüllter sound, atmosphäre, die zunehmend erigiert, sich standhaft gegenüber den zweiflern hält, das gesamte intrumentarium wird zu rate gezogen, schwer lastet die trommelmacht, das gitarrengerät wird aufgefahren, die hitze sengt das beinkleid an. ****
sarah: eine quakende trompete hilft über die schwüle, als mache sie sich über sie lustig. sarah sollte jeder mal kennengelernt haben. die dame von nebenan, nicht für jedermann. der rhythmus hüpft, hier wird aus der hüfte geschossen. nur sarah ist schnell wieder fort. ****
story never gets old: keine müdigkeit. wieder ein anlauf, wieder ein zusammenfinden. das klavier strotzt vor kraft, ein klimpern vor dem herrn, maloney hebt an und ab, dennoch gelingt es ihm, die hymne zur freude aller nicht zu strammsteher- nummer verkommen zu lassen. ****
city never sleeps: smooth. keine ballade, dennoch rücken die mädels heran. kein geschmuse, dennoch nähe. country- blues- indiepop- gemenge, das sich nicht wegen des nachbarn schämt. worte, gestochen scharf, frei assoziiert. auf sechs minuten länge lässt sich einiges erzählen, keine angestaubten versionen so viel ist klar. distanz, vogelperspektive, bitte schön. ****
big one coming: eruptiv, folgerichtig platziert. wiederum wie anderenorts mit einer einträglichen bridge ausgestattet. solches muss sich erst finden, vor allem wenn man lang genug schon über den kleinstädtischen mief gefrozzelt hat. ****
echo children: das plaid sauber aufgeschlagen, die kinder wurden müde, haben sich verzogen, doch hier draußen wird noch einmal der himmel aufgestochen, immer wieder gehen die blicke dahin, wo sich diese ungewöhnliche stimme aufhält. ****
knocks over time: es orgelt verabschiedend. die umgestürzten gläser laden einsames getier auf einen letzten schluck ein. nun kann die stimmung umschlagen. wehmut, die sich vergisst und jammert. sehnsucht, die im weltschmerz erkaltet. den death ships gelingt die kurve auf hoher see. umarmt, genossen. ein abend, von dem noch lange die rede sein wird. ****
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im schlafsack versteckt, mich der moskitos erwehrend, werden erinnerungen wach an: afghan whigs, ben folds, wilco, decibully oder auch the elected. und schließlich im schlaf versinkend kann ich mir keinen reim drauf machen, warum daniel maloney mit seinen liedern kein label findet.

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